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    Festival-Sommer: Zwischen Euphorie und Existenzangst

    By Bente van Dijk
    Festival-Sommer: Zwischen Euphorie und Existenzangst

    Wenn die Tage länger werden und die ersten Openairs starten, verwandelt sich die Schweiz in ein Festival-Paradies. Doch hinter der ausgelassenen Stimmung stehen Veranstalter zunehmend unter finanziellem Druck. Steigende Kosten, höhere Künstlergagen und verändertes Konsumverhalten machen die Durchführung von Festivals zunehmend anspruchsvoller.

    Festivals als Wirtschaftsfaktor

    Festivals sind nicht nur kulturelle Veranstaltungen, sondern auch wichtige Wirtschaftsfaktoren für ihre Regionen. Besucherinnen und Besucher geben Geld für Hotels, Gastronomie, Transport und weitere Dienstleistungen aus. Das „Lucerne Festival“ zeigt diese Wirkung exemplarisch: Es generiert rund 18 Millionen Franken direktes Einkommen in der Agglomeration Luzern und über 30 Millionen Franken regionale Wertschöpfung. Pro Förderfranken entstehen dabei gemäss den entsprechenden Berechnungen rund 215 Franken regionale Einkommenseffekte. Damit zeigt sich: Festivals haben nicht nur kulturelle Bedeutung, sondern erzeugen auch einen erheblichen wirtschaftlichen Mehrwert für ihre Region.

    Steigende Kosten, steigende Ticketpreise

    Gleichzeitig wird die Durchführung von Festivals immer teurer. Die Preise für Schweizer Festivalpässe sind in zehn Jahren um rund 41 % gestiegen. Der durchschnittliche Festivalpass kostete 2025 bereits 95.90 Franken. Für viele Veranstalter wird es damit zunehmend schwieriger, die steigenden Kosten aufzufangen, ohne die Ticketpreise weiter zu erhöhen. Ein wichtiger Treiber sind die stark gestiegenen Künstlergagen. Durch die geringen Einnahmen aus Streaming sind Live-Auftritte für viele Acts wirtschaftlich wichtiger geworden. Beim „Gurtenfestival“ etwa kostet das Line-up heute rund eine Million Franken mehr als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig verteuern Fachkräftemangel sowie höhere Kosten für Sicherheit, Technik und Logistik die Produktion.

    Besonders gefährdet: die Kleinen

    Für grosse Festivals sind Preiserhöhungen eher möglich. Kleinere Veranstalter haben dagegen deutlich weniger Spielraum. Für viele kleinere Festivals ist der Barumsatz besonders wichtig: Im Durchschnitt macht er rund 40 % der Einnahmen aus. Gleichzeitig verändert sich das Konsumverhalten des Publikums. Alkohol wird bewusster konsumiert und auch vor Ort wird teilweise weniger ausgegeben. Was für das individuelle Budget und die Gesundheit positiv sein kann, wird für Veranstalter zu einer zusätzlichen finanziellen Herausforderung.

    Langfristig könnte dies dazu führen, dass es kleinere Festivals immer schwerer haben, neben den grossen Veranstaltungen zu bestehen und ihr Angebot aufrechtzuerhalten.

    Solidarität als Lösungsansatz

    Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wird unter anderem ein „Solidaritätsfonds“ diskutiert. Eine Abgabe von beispielsweise einem Franken pro Ticket bei Grossveranstaltungen könnte kleinere Festivals und Kulturbetriebe unterstützen.

    Denn Festivals sind mehr als Unterhaltung: Sie schaffen kulturelle Räume, fördern regionale Wirtschaft und prägen den Sommer in der Schweiz. Die Zukunft der Schweizer Festival-Landschaft wird deshalb davon abhängen, ob es gelingt, kulturelle Vielfalt auch unter zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zu ermöglichen.

    Quellen & Literaturnachweis

    1. AWP Finanznachrichten / persoenlich.com (2026): Festival-Sommer: Warum Tickets immer teurer werden. Auswertung der Ticketpreise Schweizer Festivals 2015–2026.
    2. Blick / Robin Bäni (2026): Was Open Airs wirklich bedroht – «Die Hälfte aller Festivals ist gefährdet». Branchenanalyse zu Kostensteigerungen und Barumsätzen.
    3. SRF Schweizer Radio und Fernsehen (2026): Wieso Schweizer Festivaltickets teurer geworden sind. SRF News / AWP.
    4. Universität St. Gallen (IDT-HSG) – Scherer, R., Strauf, S., Bieger, T. (2001): Die wirtschaftlichen Effekte von Kulturevents: Das Beispiel Lucerne Festival. Institut für Öffentliche Dienstleistungen und Tourismus.
    5. Verbandsdaten Schweizer Musiklandschaft: Erhebungen der SMPA (Swiss Music Promoter Association) und des Verbands PETZI (Schweizer Musikclubs und Festivals).