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    Vorsorge im Studium

    Von OecNews Redaktion
    Vorsorge im Studium

    Geld anlegen und in der Schweiz vorsorgen

    Zwischen Miete, Semestergebühren und Nebenjob scheint die Pensionierung weit weg. Trotzdem lohnt es sich, schon im Studium zu verstehen, wie Vorsorge funktioniert. Wer die Grundlagen kennt, kann Angebote besser beurteilen und teure Fehlentscheide vermeiden. Dabei geht es zuerst um ein tragfähiges Budget und darum, welches Geld langfristig angelegt werden kann.

    Aktien, ETFs, Säule 3a und Trading werden in Werbung und sozialen Medien oft nebeneinandergestellt. Sie erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Dieser Überblick ordnet sie ein und zeigt, worauf du beim Einstieg achten kannst.

    Erst das Budget und die AHV klären

    Bevor du investierst, brauchst du einen Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben. Geld für die nächste Miete, eine Zahnarztrechnung oder einen neuen Laptop sollte verfügbar bleiben. Wie gross diese Reserve sein muss, hängt unter anderem davon ab, wie verlässlich dein Einkommen ist und welche Unterstützung du im Notfall hast. Ein fixer Betrag passt deshalb nicht zu allen Studierenden.

    Zur Vorsorge gehört auch etwas weniger Sichtbares als ein Wertschriftendepot: die AHV. Das Schweizer System umfasst die staatliche Vorsorge, die berufliche Vorsorge über die Pensionskasse und die private Vorsorge. Diese drei Säulen ergänzen sich. [1]

    Auch ohne Nebenjob können AHV-Beiträge fällig werden. Für nichterwerbstätige Studierende mit zivilrechtlichem Wohnsitz in der Schweiz beginnt die Beitragspflicht grundsätzlich am 1. Januar nach dem 20. Geburtstag. Bis zum Ende des Kalenderjahres, in dem sie 25 werden, beträgt der jährliche Mindestbeitrag derzeit CHF 530, zuzüglich Verwaltungskosten. Bei Erwerbstätigkeit können bereits bezahlte Beiträge angerechnet werden. Lass bei deiner Ausgleichskasse klären, ob deine Beitragspflicht erfüllt ist: Fehlende Beitragsjahre können die spätere Rente kürzen. [2]

    Was Zeit beim Anlegen bewirken kann

    Der Zinseszinseffekt entsteht, wenn Erträge angelegt bleiben und ihrerseits weitere Erträge ermöglichen. Bei Aktienanlagen sind das keine festen Zinsen: Kurse und Dividenden verändern sich, und Verluste sind möglich. Die gleichmässig steigende Kurve eines Rechenbeispiels zeigt deshalb einen mathematischen Zusammenhang, keinen verlässlichen Börsenverlauf. [3]

    Die erste Grafik vergleicht drei Personen, die jeweils bis zum Alter von 65 Jahren monatlich CHF 550 anlegen, aber mit 18, 23 oder 28 Jahren beginnen. Unter der Modellannahme einer konstanten jährlichen Rendite von 7 % entstehen rund CHF 2,24 Millionen, CHF 1,57 Millionen beziehungsweise CHF 1,09 Millionen. Die Einzahlungen summieren sich auf CHF 310’200, CHF 277’200 und CHF 244’200. Wer früher beginnt, zahlt also mehr ein und gibt den ersten Einzahlungen länger Zeit, Erträge zu erwirtschaften.

    Modellvergleich bis zum Alter von 65 Jahren. Start mit 18: 2,24 Millionen CHF, mit 23: 1,57 Millionen CHF, mit 28: 1,09 Millionen CHF. Abbildung 1. Modellrechnung mit CHF 550 jeweils am Monatsende, ohne Startkapital. Konstante effektive Jahresrendite von 7 %, umgerechnet auf eine äquivalente Monatsrendite. Erträge werden wiederangelegt. Ohne Gebühren, Steuern und Inflation; keine Renditeprognose. Quelle: eigene Berechnung.

    Die Sparrate ist eine Rechengrösse und keine Vorgabe für ein studentisches Budget. Auch die Renditeannahme macht einen grossen Unterschied: Bei monatlich CHF 550 über 47 Jahre ergeben sich mit konstant 3 % rund CHF 672’000, mit 5 % rund CHF 1,20 Millionen. Alle Werte sind vor Steuern, Gebühren und Inflation gerechnet. Die spätere Kaufkraft kann deutlich geringer sein als der ausgewiesene Frankenbetrag.

    Aktien und ETFs verstehen

    Mit einer Aktie erwirbst du einen Anteil an einem Unternehmen. Du kannst von Kurssteigerungen und ausgeschütteten Gewinnen, den Dividenden, profitieren. Beides ist ungewiss. Der Aktienkurs kann stark fallen; bei einer Insolvenz ist auch ein Totalverlust möglich. [4]

    Diversifikation bedeutet, Geld auf verschiedene Anlagen zu verteilen, etwa auf Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Ländern. Dadurch fällt die schlechte Entwicklung eines einzelnen Unternehmens weniger stark ins Gewicht. Bei einer breiten Marktkrise können jedoch viele Anlagen gleichzeitig verlieren. Risikostreuung beseitigt das allgemeine Marktrisiko nicht. [3]

    Ein ETF, kurz für Exchange Traded Fund, ist ein börsengehandelter Fonds. Viele ETFs bilden einen Index nach, etwa den Swiss Market Index oder einen weltweiten Aktienindex. Es gibt auch aktiv verwaltete ETFs. Für die Beurteilung zählt vor allem, welche Anlagen tatsächlich enthalten sind und wie stark einzelne Positionen gewichtet werden. [4]

    Ein ETF ist nicht automatisch breit diversifiziert. Ein Branchenfonds oder ein Produkt mit wenigen stark gewichteten Titeln kann erhebliche Konzentrationsrisiken enthalten. Auch mehrere ETFs können sich weitgehend überschneiden. Wer drei Fonds auf ähnliche grosse Technologieunternehmen kauft, streut sein Risiko womöglich weniger als gedacht. [5]

    Bei thesaurierenden ETFs werden ausschüttungsfähige Erträge im Fonds wiederangelegt. Ausschüttende ETFs zahlen sie aus. Auch mit der ausschüttenden Variante lässt sich der Zinseszinseffekt nutzen, wenn du die Auszahlungen wieder investierst. Entscheidend ist, was mit den Erträgen geschieht. [4]

    Bitcoin- oder Rohstoffprodukte sollte man dabei nicht pauschal als ETFs bezeichnen. An der Schweizer Börse werden solche Anlagen unter anderem als Exchange Traded Products, kurz ETPs, gehandelt. Die dort als ETPs bezeichneten Produkte sind Schuldverschreibungen und unterscheiden sich rechtlich von Fonds. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die genaue Produktstruktur. [6]

    Auch CFD-Trading gehört in eine andere Risikokategorie: Bei diesen Differenzkontrakten kann ein Hebel Kursbewegungen stark verstärken und rasche Verluste verursachen. Die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA weist ausdrücklich auf ihre Komplexität und hohen Verlustrisiken hin. Solche Spekulationen sind keine verlässliche Grundlage für die eigene Altersvorsorge. [7]

    Säule 3a und der Nebenjob

    Die Säule 3a ist die gebundene private Vorsorge. Sie legt fest, unter welchen Bedingungen du steuerbegünstigt vorsorgen kannst. Wie das Geld angelegt wird, hängt vom gewählten Angebot ab. Beiträge setzen grundsätzlich AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen voraus. Für Studierende kann deshalb bereits ein Nebenjob den Zugang ermöglichen; ein Studium allein genügt nicht. [8]

    Für die ordentlichen Jahresbeiträge gelten 2026 folgende Obergrenzen. Entscheidend ist die Zugehörigkeit zur Pensionskasse, nicht allein die Unterscheidung zwischen angestellt und selbstständig. [9]

    Mit Pensionskassenanschluss CHF 7’258 pro Jahr Ohne Pensionskassenanschluss 20 % des massgebenden Erwerbseinkommens, höchstens CHF 36’288 pro Jahr

    Die Grenze gilt insgesamt über alle 3a-Konten und Policen. Quelle: Steuerverwaltung des Kantons Bern.

    Ein vereinfachtes Beispiel: Eine Studentin ohne Pensionskassenanschluss erzielt ein für die 3a-Berechnung massgebendes jährliches Erwerbseinkommen von CHF 10’000. Ihre Beitragsgrenze liegt bei CHF 2’000. Sie kann somit nicht allein deshalb CHF 7’258 einzahlen, weil dieser Betrag häufig in der Werbung genannt wird. Welche Einkommensgrösse in deinem Fall massgebend ist, klärst du bei der Steuerbehörde oder Vorsorgeeinrichtung.

    Zulässige Beiträge senken das steuerbare Einkommen. Eine Einzahlung von CHF 1’000 spart also nicht CHF 1’000 Steuern. Wie viel sie tatsächlich bringt, hängt von der persönlichen Steuersituation ab. Bei einem tiefen steuerbaren Einkommen kann die unmittelbare Ersparnis klein sein oder ganz entfallen. Bei der späteren Kapitalauszahlung wird eine separate Steuer fällig. [9]

    Das Guthaben bleibt grundsätzlich bis fünf Jahre vor dem AHV-Referenzalter gebunden. Ein früherer Bezug ist nur in gesetzlich vorgesehenen Fällen möglich, beispielsweise für selbst genutztes Wohneigentum oder bei Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit. Die Säule 3a eignet sich daher nicht als Reserve für laufende Studienkosten. [8]

    Seit 2026 sind unter Bedingungen auch nachträgliche Einzahlungen für Lücken ab 2025 möglich. Dafür muss unter anderem sowohl im Lückenjahr als auch im Einkaufsjahr AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen vorliegen; zudem ist zuerst der ordentliche Maximalbeitrag des Einkaufsjahres einzuzahlen. Studienjahre ohne solches Einkommen lassen sich über diese Regel nicht einfach später nachfinanzieren. [8, 10]

    Die passende Form für die Säule 3a

    Bei einer Bankstiftung kannst du für die Säule 3a je nach Angebot ein verzinstes Konto oder eine Wertschriftenlösung wählen. Das Konto hat keine aktienbedingten Kursschwankungen; sein Zins kann sich aber ändern. Eine Wertschriftenlösung bietet andere Ertragschancen und trägt entsprechende Verlustrisiken. Der Aktienanteil sollte dazu passen, wie lange das Geld angelegt bleiben kann und welche Schwankungen du finanziell und persönlich aushältst. [3, 11]

    Eine Versicherungspolice kann Sparen mit einer Absicherung bei Erwerbsunfähigkeit oder Tod verbinden. Prüfe, ob du diesen Schutz brauchst und welche Verpflichtungen du dafür eingehst. Je nach Vertrag können feste Prämien, lange Laufzeiten und Nachteile bei einer vorzeitigen Auflösung entstehen. Gerade bei einem wechselnden studentischen Einkommen ist die Flexibilität wichtig. Lass dir die Folgen einer Beitragsreduktion oder Kündigung vor Vertragsabschluss schriftlich erklären. [11]

    Kosten richtig vergleichen

    Gebühren wirken jedes Jahr auf das Anlagevermögen. Geld, das dafür abfliesst, kann in den folgenden Jahren keine Erträge mehr erwirtschaften. Deshalb summieren sich selbst kleine jährliche Unterschiede über Jahrzehnte.

    Die zweite Grafik verwendet erneut monatlich CHF 550 über 47 Jahre und eine angenommene Bruttorendite von 7 % pro Jahr. Im vereinfachten Modell bleiben bei jährlichen Kosten von 0,2 % rund CHF 2,10 Millionen, bei 1,5 % rund CHF 1,40 Millionen. Der Unterschied beträgt rund CHF 703’000. Die Linie ohne Gebühren dient als Vergleichsgrösse und steht für kein tatsächlich kostenfreies Produkt.

    Modellvergleich nach 47 Jahren. Ohne Kosten: 2,24 Millionen CHF. Mit 0,2 Prozent jährlichen Kosten: 2,10 Millionen CHF. Mit 1,5 Prozent: 1,40 Millionen CHF. Abbildung 2. CHF 550 am Monatsende über 47 Jahre, ohne Startkapital. Vereinfachung: 7 % Bruttorendite minus jährlicher Kostenquote ergibt 7 %, 6,8 % oder 5,5 % Nettorendite; daraus wird die äquivalente Monatsrendite berechnet. Ohne weitere Kosten, Steuern und Inflation; keine Renditeprognose. Quelle: eigene Berechnung.

    Bei einem ETF beschreibt die TER, die Total Expense Ratio, die laufenden Fondskosten im Verhältnis zum Fondsvermögen. Sie erfasst jedoch nicht alle Kosten, die dir beim Investieren entstehen. Dazu können beispielsweise Depot- und Handelsgebühren, Währungswechselkosten sowie die Geld-Brief-Spanne beim Kauf und Verkauf kommen. Vergleiche deshalb die Gesamtkosten für deine tatsächliche Sparrate und Handelshäufigkeit. Eine fixe Kaufgebühr fällt bei kleinen Einzahlungen prozentual besonders stark ins Gewicht. [12]

    Bei indexnachbildenden Fonds helfen zwei weitere Begriffe: Die Tracking Difference zeigt die Renditedifferenz zwischen Fonds und Index über einen Zeitraum. Der Tracking Error beschreibt, wie stark diese Renditedifferenz schwankt. Ein niedriger Tracking Error allein bedeutet daher weder geringe Kosten noch eine hohe Rendite. Vergleiche dieselben Zeiträume und Berechnungsgrundlagen. [13]

    Eine Beratung kann helfen, die eigene Situation einzuordnen. Frage nach den angebotenen Alternativen, den Gesamtkosten und der Vergütung der beratenden Person. Wird nur die eigene Produktpalette berücksichtigt? Gibt es Provisionen? Welche Leistungen sind im Preis enthalten? Lass dir begründen, warum ein Angebot zu deinem Budget, deinem Anlagehorizont und deinem Versicherungsbedarf passt.

    Mit einem realistischen Plan beginnen

    Für den Einstieg lohnt sich diese Reihenfolge: zuerst das Budget und eine verfügbare Reserve klären, dann die AHV-Beiträge prüfen. Anschliessend kannst du entscheiden, welcher Betrag langfristig entbehrlich ist und ob dafür eine Säule 3a oder eine frei verfügbare Anlage besser passt. Eine passende Sparrate darf mit dem Einkommen wachsen. Du musst während des Studiums weder einen Höchstbetrag ausschöpfen noch dich auf Jahrzehnte zu festen Einzahlungen verpflichten.

    Benjamin Wilding zur Vorsorge

    «Wer sich früh mit Vorsorge beschäftigt, profitiert am meisten vom Zinseszinseffekt – denn Zeit ist der beste Freund des Vermögensaufbaus. Wichtig ist, regelmässig zu sparen, langfristig zu investieren und auf die Kosten bei der Anlage zu achten.»

    Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung. Stand der Angaben: September 2026.

    Quellen und Berechnungen

    Die Quellen wurden am 11. September 2026 geprüft. Produktinformationen von Finanzanbietern dienen der Begriffserklärung und stellen keine Anbieterempfehlung dar.

    [1] BSV. Altersvorsorge und das Dreisäulensystem.

    [2] Informationsstelle AHV/IV. Merkblatt 2.10 zu Beiträgen der Studierenden.

    [3] SIX. Grundprinzipien der Geldanlage.

    [4] SIX. Aktien und Exchange Traded Funds.

    [5] US Securities and Exchange Commission. Exchange Traded Funds und Diversifikation.

    [6] SIX. Produktstruktur von ETPs.

    [7] ESMA. Risiken von CFDs und Massnahmen zum Anlegerschutz.

    [8] BSV. Die dritte Säule und die Voraussetzungen für Beiträge und Bezüge.

    [9] Steuerverwaltung des Kantons Bern. Säule 3a und steuerliche Behandlung.

    [10] BSV. Ihr Beitrag an die dritte Säule und nachträgliche Einkäufe.

    [11] Berner Kantonalbank. Säule 3a bei einer Versicherung oder Bank.

    [12] UBS. ETF Kosten und Handelsgebühren.

    [13] ESMA. Leitlinien zu ETFs und anderen OGAW Themen mit Definitionen zur Indexnachbildung.

    Berechnungsweise der Grafiken

    Die monatliche Rendite ist (1 + Jahresrendite)^(1/12) − 1. Für n Monatszahlungen von je CHF 550 ergibt sich der Endwert als 550 × ((1 + Monatsrendite)^n − 1) / Monatsrendite. Die Vergleichswerte werden gerundet; die Berechnung verwendet ungerundete Werte. In Abbildung 2 ist der Abzug der Kostenquote von der Jahresrendite eine Modellvereinfachung und keine Nachbildung eines konkreten Gebührenmodells.